Ausbildung Schnittkonstruktion

Ich möchte euch in diesem Artikel einen Einblick darin geben, welche Wege ich gegangen bin, um die Schnittkonstruktion zu erlernen. Genauere Informationen wie zu Büchern und Maßtabellen findet ihr in gesonderten Artikeln.

Mein erstes Schnittmuster entstand vor ca 4 Jahren.

Es war ein absolutes „Trial&Error“ Projekt. Die Wickeltasche to go gibt es auch heute noch auf meinem Blog als Freebook 🙂

Ich selbst benötigte eine solche Tasche und kaufte mir günstige Webware vom Stoffmarkt. Die erste Überlegung war, dass ich Feuchttücher und ca 4-5 Windeln mitnehmen möchte. Sie sollte schnell zu öffnen sein und noch einen kleinen Platz für Creme beinhalten. Ich legte also Windeln neben die Feuchttuchpackung auf den Stoff und klappte es zusammen- so hatte ich also die Länge meines benötigten Stoffstückes ermittelt 😉 Recht schnell bin ich ans zuschneiden gegangen und hab es mir „irgendwie“ zusammengefrickelt. Die Tasche für die Creme würde ich heute z.b. anders gestalten (z.b. mit Klappe, damit nichts herausfällt). Trotz dieses recht langwierigen Procederes bin ich zu einem guten Ergebnis gekommen, das schon viele Male heruntergeladen und von anderen nachgenäht wurde.

Nun klappt es bei Kleidung leider nicht so gut, einfach ein Model auf den Stoff zu legen und drumherum zu schneiden 😉

Maßtabellen wurden meine Welt, wobei es gar nicht so einfach ist an welche heranzukommen. Es gibt, so erfuhr ich später, zb welche bei einigen Herstellern zu kaufen (die z.T. umfangreiche Maßstatistiken selber machen). Eine meiner Damenmaßtabellen habe ich z.b. von Grafis. Mehr zu Maßtabellen und Konfektionen möchte ich an dieser Stelle lieber in einem eigenen Post schreiben.

Viele Ersteller machen diese Maßstatistiken, teils über Jahre hinweg, selbst. Dies macht auch durchaus Sinn, siehe Artikel Maßtabellen.

Lange habe ich so gearbeitet: nach Maßtabelle eine Größe 42 gezeichnet (das ist meine „Normkonfektion“- so konnte ich dann quasi lebende Anziehpuppe für diese Größe spielen). Passte alles (auch anderen Größen 42 aus meinem Probenäherpool), dann wurde gradiert (der Schnitt an die Maße anderer Konfektionsgrößen angepasst). Alles per Zeichenstift und Linieal auf großem Papier. Dieses Zerschnitt ich später in DinA4-Seiten, scannte diese einzeln ein und zeichnete sie dann mit Inkscape nach. Eventuelle Änderungen habe ich dann schon recht früh am PC vorgenommen. Man kann sich vorstellen, das dieser Prozess wirklich etliche Arbeitstunden geschluckt hat. Ob und wie ein Schnitt passte habe ich teil an 100 Probenähern erprobt.

Auch das Wälzen einiger Bücher hat mir später sehr geholfen. Es ist ein bisschen so, wie beim Programmieren lernen: es führen unterschiedliche Wege zum Ziel. So gibt es zb verschiedene Systeme, nach denen man lernen kann (z.b Müller & Sohn, Jansen und Rüdiger).

Anfangs wusste ich von solchen Dingen nichts und bin eher durch Zufall zu einem VHS-Kurs gelangt, der das System von Jansen und Rüdiger nutzte.

Diese Ansätze und auch meine persönliche Erfahrung die ich durch Probenähen gesammelt hatte halfen mir, neue Schnitte zu konstruieren.

Über die Jahre hinweg konnte ich auch immer mehr Kontakte zb. zu Maßschneider*innen oder Bekleidungstechniker*innen knüpfen, die mir auch mit Rat und Tat zur Seite standen.

Gerade diese intensive Beschäftigung mit Details eröffneten mir durchaus meine Wissenslücken, wodurch ich mich Angang 2018 dazu entschied, Schnittkonstruktion an einer gebündelten Stelle nach einem bestimmten System zu lernen. Meine Wahl fiel auf das Fernstudium bei fashion-express, die nach einem griechischen System arbeiten, das nochmal völlig anders vorgeht, als alles, was ich bisher lernte. Nun bin ich mittendrin und der Umschwung zum neuen System ist natürlich auch nicht leicht, aber ich sehe schon die vielen Vorteile. Zumal ich bei dem Studium eine Ausbilderin habe, die ich auch persönlich zeitnah fragen kann, was man bei einem Lehrbuch natürlich nicht hat.

Zudem habe ich mir ein professionelles CAD-Programm gekauft (quasi weg von Papier, hin zum PC), das einige Arbeitsschritte nochmals schneller macht. Ich bin sehr gespannt, wie mein Arbeiten 2.0 aussehen wird und werde hier berichten 😉

 

LG Lena

 

 

 

 

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